Kapitel XV – Das Ende des Dolches
Der Dolch hatte Reltis verändert. Nicht viel – so hatten sie es sich gesagt. Nicht wirklich. Aber dann schnitt er sich in die Hand an einem fremden Altar, sprach Worte in einer Sprache, die niemand kannte, und ließ sich nicht aufhalten. Nicht von Halguin. Nicht von sich selbst. Und als er zu Boden ging, umklammert er den Dolch, als wäre er das Einzige, das noch zählte.
Der Altar und das Ritual
Der Raum jenseits der Energiebarriere war kein guter Raum. Elfenstatuen säumten die Wände, die Gesichter verzerrt wie in Qual eingefroren. In der Mitte: ein Obsidianaltar, von betenden Skeletten umgeben, die die Magie aufrecht hielt. Auf dem Altar lag ein schweres blaues Tuch – darunter ein Ritualdolch aus Obsidian, gezackte Klinge, bestimmt zur Opferung. Halguin zog das Tuch weg. Helena wickelte es sich um die Schultern. Dann trat Reltis an den Altar.
Er schnitt sich in die Hand. Das Blut fiel auf den Stein. Er sprach Worte, die niemand von ihm kannte. Halguin sprang ihn an – Reltis befreite sich. Reltis zog den schwarzen Stein – und der Raum wurde dunkel, schien sich zu bewegen, zu drehen. Halguin versuchte es erneut. Reltis befreite sich erneut. Dann ging er durch die Barriere, und mit ihm verschwand die Dunkelheit – und die Elfenstatuen erwachten.
Drow, Dolch und eine Entschuldigung
Die Drow – denn das waren die Statuen gewesen – wirkten verwirrt. Helena und Caprivara versuchten einem zu helfen; er floh. Im Nebenraum kämpfte Reltis mit einem anderen Drow um den Dolch. Der Kampf um den Hof war kurz und zögerlich: vier Drow flohen, vier wurden getötet. Reltis tötete auch den, der ihn angriff. Dann ging er zu Boden und umklammerte den Dolch.
Die Gruppe diskutierte, was mit Reltis zu tun sei. Als Caprivara sich zu ihm herunterbeugte, griff er sie an und verletzte sie schwer. Er entschuldigte sich. Helena und Halguin trennten ihn vom Dolch. Reltis wurde mit seinem eigenen Seil gefesselt.
Caprivaras Verzweiflung und Helenars Entscheidung
Caprivara versuchte den Dolch in Leder einzuschlagen – das Leder verbrannte. Sie versuchte ihn zu bannen, zu zerstören. Nichts half. Am Ende warf sie ihn in die Ecke.
Helena stand vor dem Splitter und der Energiebarriere und spürte, wie der Raum ihr etwas wegnahm – eine düstere Präsenz, wachsend mit jeder Minute. Gerald drängte sie. Sie griff an. Der Speer traf nicht. Er glitt ab. Beim dritten, vierten Versuch drückte sie die Klinge langsam durch die Barriere und hörte in ihrem Kopf Geralds Schreien – nicht den Schrei eines Metalls, sondern eines Wesens. Es gelang.
Der Raum stürzte teilweise ein. Helena und Halguin fielen. Caprivara rannte rein, heilte beide gerade genug – und alle flohen. Beim Verlassen sahen sie: Splitter und Dolch waren weg. Im Boden klaffte ein großes Loch.
Zuflucht, Fluch und Verhaftung
Im Wald. Nachts zog ein Drow an ihnen vorbei und bemerkte sie nicht. Morgens: Erholung. Helena versuchte Reltis‘ Fluch zu lösen – ihre Kräfte reichten nicht. Der Fluch blieb, auch ohne den Dolch. Die Gruppe machte sich auf die Suche nach einem Priester.
In Suzail wurde die Gruppe am Tor festgenommen. Verbotene Waffen. Halguin erklärte. Niemand glaubte ihm. Erschwerend: Reltis war gefesselt und unsichtbar gemacht, hing zwischen zwei Charakteren wie eine sehr unbequeme Mitbringsel. Nacht im Gefängnis. Am nächsten Tag: die Zitadelle der Purpurdrachen.
Die Zitadelle und was danach kam
Die Verhöre waren einzeln, mit einem Kleriker dabei. Die Gruppe war, einvernehmlich, wenig überzeugend.
Reltis kam zu einer Hohepriesterin von Lathander. Er versuchte zu fliehen. Er scheiterte. Die Besessenheit wurde gelöst – aber der Glaube an die Spinnengöttin hallte noch lange nach, während Lathanders Licht anfing, etwas in ihm zu bewegen, das er nicht erwartet hatte.
Helena kam zu einem Selûne-Tempel und fand dort ein Zimmer, in dem ihre Ausrüstung auf sie wartete – und Gerald. Sie schloss den Speer in die Arme. Wer dabei war, stellte keine Fragen.
Caprivara wurde zu Niemand gebracht. Sie schloss ihn erleichtert in die Arme. Mehr muss man dazu nicht sagen.
Halguin bekam seine Ausrüstung zurück – abzüglich aller Gegenstände aus „zwielichtigen Quellen“. Er nahm es hin.
Der Thronsaal
Nach ein paar Tagen: der Thronsaal. Reltis und Caprivara umarmten sich. Sonst war wenig Raum für Sentimentalitäten. Reltis legte die Beweise gegen Malakar vor – Hochverrat, schwarz auf weiß. Die Gruppe hatte außerdem die Cousine gerettet, was auch anerkannt wurde.
Die Belohnung: ein Ehrensiegel. Das Bürgerrecht der Stadt Suzail. Eintausend Goldstücke.
Halguin wurde in den Rang des Wald- und Wiesen-Drachen aufgenommen und erhielt sein Rabenamulett zurück. Reltis bekam einen neuen Umhang – und besuchte danach den Tempel von Lathander, um sich zu bedanken, und spendete dem Waisenhaus, weil die Hohepriesterin es so empfohlen hatte. Er tat es gerne.
Malakar war des Hochverrats überführt. Der Dolch war weg, das Loch im Boden blieb. Reltis trug einen neuen Umhang und dachte an Lathander. Halguin trug sein Amulett und einen neuen Rang. Helena trug Gerald, der diesmal nichts maulte. Caprivara trug Niemand, der glücklich war, wieder da zu sein. Die Drachentöter von Cormyr waren nun Bürger von Suzail. Was das bedeutete, würden sie noch herausfinden.
Ende von Kapitel XV – Session 17
