Kapitel XXI – Brennende Häuser

Kapitel

Suzail, die Hauptstadt Cormyrs – Krone am Dragonmere, Sitz der Obarskyr-Könige und Heimat der Purpurnen Drachen. Eine Stadt, die Stabilität verkörpert und deren breite Alleen und ordentlichen Viertel seit Generationen als Zeichen von Sicherheit und königlicher Ordnung gelten. Aber in dieser Stadt brannten zu viele Häuser. Zuerst das Anwesen der von Bergens, jetzt das von Halguins Freund. Shar, die Herrin des Verlustes, Göttin der Dunkelheit und der Geheimnisse, schien eine unangenehme Vorliebe für Feuer entwickelt zu haben – merkwürdig für eine Göttin, deren Domäne die Schatten sind, nicht die Flammen. Aber vielleicht war es genau das: Alles löschen, was die Gruppe als sicher betrachtete. Alles auslöschen, was Vertrautheit bedeutete.

Shar wirkt durch Verlust. Das ist ihr Wesen.


Der Kupferkessel und der Informant ohne Gesicht

Die Gruppe kehrte spät in den Kupferkessel zurück – erschöpft, nach einem langen Tag in der Kanalisation unter Bindels, mit zwei Gefangenen weniger als zuvor. Der Geruch der Kanalisation steckte noch in den Kleidern, die Gelenke schmerzten, und das Gefühl, beobachtet zu werden, war nicht weniger geworden, je mehr Zeit sie in den Gängen unter der Stadt verbracht hatten.

Dieses Gefühl war begründet. Bruce wurde in einer Seitengasse angesprochen – eine Gestalt, die kaum mehr als ein Schatten war, bevor sie verschwand, als er die anderen aufmerksam machen wollte. Nichts zu greifen, nichts zu verfolgen.

Die Taverne bot keine Erholung. Die Zimmer waren neu vermietet, die Gegenstände eingelagert, ein hoher Einlagerpreis fällig. Der Grund: Jahrmarkt in Suzail – eine dieser lebhaften Veranstaltungen, die in der Hauptstadt Cormyrs regelmäßig für überfüllte Herbergen und verdoppelte Preise sorgen. Tjungard Klingenbrecher – neu in der Gruppe, aber bereits unvermeidlich – stellte bei der Übergabe seiner Sachen fest, dass sein persönliches Bierfass fehlte. Er war entsprechend unmutig. Zu Recht.

Beim erneuten Gang nach draußen sprach jemand wieder Bruce an. Diesmal mit Inhalt: Ari Markus von Bergen könnte in Gefahr sein. Sein Vater habe gefährliche Nachforschungen betrieben, bevor er ermordet wurde. Im zerstörten Anwesen der von Bergens sollen Hinweise hinterlassen worden sein. Dann war der Informant wieder weg – kein Name, kein Gesicht. Die Kirche Shars ist für genau diese Art von Arbeit bekannt: einzelne Kontakte, getrennte Zellen, Geheimnisse als Währung. [file:8]

Bruce gab Ari eine Kappe zur Verkleidung. Beim Aufsammeln der Sachen: alle Vorräte und Getränke gestohlen. Auf dem Weg hinaus musste Bruce noch einen Ork davon überzeugen, dass die Gruppe tatsächlich gehen durfte.


Halguins Freund und der Knall in der Nacht

Helena heilte die Gruppe sorgfältig, bevor man sich schlafen legte. Die Nacht bei Halguins Freund war ruhig – die erste wirklich stille Nacht seit vielen Abenden. Kein Wispern, keine Symbole, kein schwarzes Wasser. Die Gruppe schlief, und es fühlte sich beinahe normal an.

Dann kam der laute Knall. Das Haus brannte.

Shars Anhänger arbeiten in Zellen, die voneinander nichts wissen – aber sie teilen dieselben Ziele: Verlust schaffen, Dunkelheit ausbreiten, alles zerstören, worauf ihre Feinde sich verlassen. [file:8] Halguins Freund war verloren. Es gab keine Zeit für mehr als das Greifen der wichtigsten Sachen und den Sprint nach draußen.

Dort warteten bereits Shar-Anhänger.


Der Kampf im Feuerschein: Skelette, Nekromant und drei Bisons

Die Nacht war hell vom Feuer, und in diesem Licht kämpfte die Gruppe gegen Skelette, Wächter, Armbrust-Schützen und mindestens einen Nekromanten – einen Diener Shars, der die Schattenmagie zu nutzen verstand. Nekromanten im Dienst der Lady of Loss können Dunkelheit beschwören, die alle Sicht verschluckt – auch Fackellicht hilft dagegen nicht. [file:8]

Bruce – der Barde, der immer dann am lautesten redet, wenn es am wichtigsten ist – lieferte ununterbrochen Barden-Support für die Gruppe und trug dabei Gegenstände aus dem brennenden Haus, weil Bruce eben Bruce ist und Prioritäten auf seine eigene Art setzt. Halguin zauberte einen Feuerangriff, der alle Anwesenden empörte – Feind wie Freund – und beschwor dann, zur Wiedergutmachung, zunächst ein Bison, später Licht, das die vom Nekromanten beschworene Dunkelheit brach und das Schlachtfeld wieder sichtbar machte. Helena führte ein erbittertes Fernkampfduell mit einem Armbrust-Schützen, wurde von einem Bolzen an der Wand festgesetzt, zog ihn unter Schmerzen selbst heraus und griff danach den Nekromanten an – weil das die logische nächste Handlung war.

Ari Markus von Bergen – Bestatterfamilie, Kröterich, neues Gruppenmitglied – bewies seinen Wert als Beschwörer eindrucksvoll: erst ein Käfer, dann zwei Bison nacheinander, die die Gegner beschäftigten. Tjungard sprang heldenhaft über einen Wagen und trieb den Nekromanten in die Flucht – oder hätte ihn gestellt, wenn der Nekromant nicht die beschworene Dunkelheit genutzt hätte, um zu entkommen. Als Tjungard auf den Platz vorstieß, wo der Nekromant eben noch gestanden hatte: nichts mehr.

Halguin beschwor Licht – das Signal, dass die Dunkelheit gebrochen war.

Währenddessen war Bruce ins brennende Haus gegangen, um nach Überlebenden zu suchen. Ein Balken traf ihn. Er kam nicht mehr allein heraus. Ari rief nach Hilfe. Helena und Tjungard stürmten ins Feuer. Tjungard zog Bruce nach mehreren Versuchen aus den Trümmern – sehr schwer verletzt, bewusstlos, aber am Leben. Helena heilte ihn.


Danach: Wachen, Diebstahl und eine Onyx-Statue

Die Wache stellte Fragen. Die Gruppe diskutierte, wer für die Brände verantwortlich sei – eine Diskussion, bei der sie sich auf dem schmalen Grat zwischen glaubwürdiger Erklärung und unmöglichem Beweis bewegten. Bruce entsorgte eine Shar-Kralle diskret. Helena nahm dem toten Magier eine Shar-Onyx-Statue ab – ebenfalls diskret, mit dem nüchternen Pragmatismus einer erfahrenen Klerikerin. Die Leichen wurden auf einem Karren gestapelt; die Wache holte sie ab und erinnerte die Gruppe noch einmal daran, dass sie sich stellen sollten.

Bei den Purpurnen Drachen – der Elitetruppe Cormyrs, die seit Generationen die Königsfamilie schützt und die Ordnung im Realm aufrechterhält – ließ sich die Gruppe vollständig heilen. Dann die Stadtwache: Bruce schilderte alles. Die Gruppe beschrieb die Geflohenen so genau sie konnte. Die Wachen notierten. Und wirkten dabei nicht besonders involviert.


Was noch aussteht

Am Tag wäre es unklug, zum Anwesen der von Bergens zu gehen. Zu sichtbar, zu gefährlich, zu viele Augen. Also erst: Gegenstände verkaufen, sich neu ausrüsten, den nächsten Schritt planen.

Halguins Freund war tot. Das Haus war Asche. Der Nekromant war entkommen. Und irgendwo in den Ruinen des von Bergen-Anwesens lagen Hinweise, die Aris ermordeter Vater hinterlassen hatte – Nachforschungen, die ihn das Leben gekostet hatten. Hinweise, die jemand offenbar sehr gerne vernichtet hätte.

Shar wirkt durch Verlust und durch Geheimnisse. Ihre Zellen kennen einander nicht, aber sie teilen dasselbe Ziel. In Cormyr, dem ordentlichsten Königreich Faerûns, hatten ihre Anhänger Fuß gefasst – in der Kanalisation, in der Altstadt, in den Brunnen, in den Häusern von Männern, die zu viel wussten. Die Gruppe hatte Brände bekämpft und Kämpfe gewonnen. Aber Shar ist geduldig. Sie sammelt Verluste, wie andere Gold sammeln.


Ende von Kapitel XXI – Session 23