Kapitel XIX – Abschied, Kröten und brennende Häuser

Kapitel

Es gibt Tage, die eine Ära beenden. Diese hier tat es zweimal, innerhalb derselben Nacht.

Die Kupferpfanne

Das Gasthaus zur Kupferpfanne war, gemessen an dem, was dort passierte, ein vollkommen ungeeigneter Ort für einen Abschied. Zu laut, zu voll, zu sehr nach Bier und gebratenen Zwiebeln. Und trotzdem – oder vielleicht genau deswegen – war es der richtige.

Reltis und Caprivara hatten ihre Entscheidung getroffen. Capris Naturverbundenheit und Suzails Unterwelt vertrugen sich wie Waldboden und Schwefelsäure: möglich, aber nicht gut. Reltis, der in zwanzig Sessions wenig getan hatte, was nicht entweder explosiv, arschig oder beides gewesen wäre, folgte ihr. Das war das Ruhigste, was er je getan hatte.

Bruce schrieb ihre Geschichte auf und schenkte sie ihnen. Halguin beruhigte, was auch immer beruhigt werden musste. Wer die Gruppe kannte, wusste: Das war so nah an einem emotionalen Moment, wie man hier herankam.

Klingenbrecher und Krötengoth

Dass ausgerechnet eine Prügelei den Abend rettete, war fast zu passend. Zwei Unbekannte, die einen Zwerg provozieren. Reltis, letzte Session als aktiver Abenteurer und trotzdem keine Ruhe. Der Zwerg, der sich selbst verteidigte. Sein Name: Tjungard Klingenbrecher – ein Name, der nichts verspricht, was er nicht halten kann.

Helena unterdessen streichelte die Kröte eines Mannes in der Ecke. Ari Markus von Bergen, gekleidet in Schwarz, zugehörig zu einer der bekanntesten Bestatterfamilien Suzails – eine Stadt, in der man als Bestatter gut verdient. Seine Kröte schien ihn weniger zu stören als Helena vermutete. Dass Ari in dieser Nacht noch etwas ganz anderes verlieren würde als seine soziale Distanz, wusste zu diesem Zeitpunkt noch niemand.

Tjungard gewann am Ende des Abends ein Prügelturnier an den Docks. Ordentlich aufs Gesicht bekommen, trotzdem gewonnen. Die Gruppe behandelte ihn danach stillschweigend als Mitglied – keine Abstimmung, kein Ritual. Einfach: er gehört jetzt dazu.

Die Nacht brennt

Der Brandschein über dem Reichenviertel war keine Übung. Das Anwesen der von Bergens – Aris Familie, sein Zuhause, der Grund, warum Suzail einen Bestatter kannte, der Kröten streicheln ließ – brannte. Untote hatten es niedergelegt.

An einigen der Leichen das Symbol von Malakar. Eben jener Magier, der in Session 17 des Hochverrats überführt worden war und in einer Zelle sitzen sollte. Nichts davon ergab Sinn: Die Familie von Bergen wurde eines Giftanschlags auf hochrangige Purpurne Drachen verdächtigt, doch Untote passen nicht zu einem Giftmörder, und ein verurteilter Magier hinterlässt keine Symbole an Leichen, wenn er in Haft sitzt.

Shar-Zellen in Suzail arbeiten nach dem Prinzip der operativen Isolierung – jede Zelle weiß so wenig wie möglich von den anderen. Wer also Malakars Symbol benutzte, wusste entweder von seinem Plan – oder benutzte seinen Namen als Ablenkung. Ari blieb bei der Gruppe. Er hatte nirgendwo anders hinzugehen, und die Fragen, die er mitbrachte, waren dringend.

Kanalisation, dritte Runde

Die Gruppe stieg hinab. Tjungard kam mit, ohne großes Aufheben. Bruce entschärfte eine Falle – die Anführungszeichen im Original stehen und das Ergebnis wurde nicht dokumentiert, was alles sagt. Eine Tür öffnete sich, schloss sich hinter ihnen, und ein hässlicher Elfengeist wartete.

Er verlor. Loot: 100 Gold pro Kopf, ein guter Bogen, ein Kurzschwert. Tjungard hinterließ in den Shar-Lohnbeuteln eine persönliche Visitenkarte. Ihre Natur braucht keine Erläuterung.

Unten wartete mehr. Die Priester, die aus dem letzten Kampf geflohen waren, hatten Zeit gehabt. Und irgendwo in dieser Stadt, mit Malakars Symbol in der Hand, bewegte sich jemand, der wollte, dass die Gruppe die falschen Fragen stellt.


Ende von Kapitel XIX – Session 21