Kapitel VIII – Der Hullackwald ruft

Kapitel

Drei Spielabende. Ein Wald, der lebte wie ein Wesen. Ein Fjord, der tiefer wurde, als er sein sollte. Und ein Hund, der verschwand – und damit für einen Moment alles zum Stillstand brachte.


SESSION 8 – 20. Oktober 2024

Passierschein und Aufbruch

Das Gasthaus „Fünf Faire Fische“ hatte die Gruppe für eine zweite Nacht beherbergt. Als sie erwachten, wartete ein junger Soldat mit einer Botschaft: Lohen Land erwartete sie. Im Gastraum saß bereits Lord Thundersword – nur Bruce schien zu wissen, was das bedeutete, und behielt es, wie Bruce es gerne tat, zunächst für sich. Der Mann neben dem Lord trug ein Schwert, das so breit war wie ein Küchentisch: Hohos Tian, Vorname Mikahin. Er reichte der Gruppe einen Passierschein – Nummer A38 – der ihnen künftig viele Türen öffnen würde. Und er warnte: Im Hullackwald und Umgebung bewegten sich mehr Monster als nur Goblins.

Frühstück. Aufbruch. Der Küstenpfad lag ruhig und salzig in der Morgensonne, und für ein paar Stunden war die Welt in Ordnung.


Der Bär in der Nacht

Das Hochplateau, auf dem sie lagerten, schien sicher. Es war nicht sicher. Gegen Ende der Nacht brach ein wütender Bär aus dem Dunkel, und Capri – die mit Tieren sprechen konnte, die Tiere verstand, die Tieren vertraute – versuchte ihn zu beruhigen. Der Bär war anderer Meinung und schlug sie nieder. Der Kampf war kurz, häßlich und zu laut für die Stille des Hochplateaus. Reltis fiel. Und dann: Niemand. Der Hund warf sich auf den Bär mit der ganzen Entschlossenheit, die er hatte – und tötete ihn.

Am nächsten Morgen, auf dem Weiterzug, zog ein Bärenjunges neugierig neben ihnen her. Capri lockte, redete, bot Hände an. Es kam nicht mit. Sie gingen trotzdem weiter – mit einem Blick zurück, der sagte, dass sie es gerne anders gehabt hätte.


Der verwundete Späher

Bei der Yeoman’s Bridge empfing sie der Kommandant des Purpurdrachen-Postens mit schlechten Nachrichten: Ein Trupp Späher war ausgesandt worden, um die Gegend zu erkunden. Nur einer war zurückgekehrt – schwer verletzt, bewusstlos. Helena trat ins Lazarett und heilte ihn. Dann warteten sie, bis er reden konnte.

Der alte Magierturm unter der Brücke würde noch Zeit haben. Erst kam der Soldat.


Irwins Bericht

Sein Name war Irwin. Was er erzählte, klang wie ein Alptraum: ein Seitenarm des Wurmflusses, eine Festung voller Goblins, die seltsam friedlich wirkten, mit Gold, das am nächsten Tag einfach weg war. Fallen, die seine Kameraden getötet hatten. Er selbst auf unbekannte Weise zurückgekommen – und kein Gedächtnis daran, wie. Der Fjord, von dichtem Wald umgeben. Die Vermutung des Kommandanten: Der Hullackwald hatte das Gebiet zurückerobert.


SESSION 9 – 9. November 2024

Eifnap und die Straße durch den Nebel

Kommandant Harschnak stellte Ausrüstung zur Verfügung. Helena sprach noch einmal mit Irwin, der weitere Details lieferte: ein Altar im Wald mit Opfergaben, die am nächsten Tag spurlos verschwunden waren. Dann brachen sie auf.

Unterwegs begegneten sie Eifnap – einer Gestalt, die schwer einzuordnen war, Wein anbot, der ausgezeichnet schmeckte, und eine Ruhe ausstrahlte, die nicht von dieser Welt zu sein schien. Bruce flüsterte leise, er halte Eifnap für den Avatar einer Wandergottheit – vielleicht Oghma, vielleicht jemand anderen. Die Gruppe schlief gut und wachte ausgeruht auf. Das allein war verdächtig.

Am nächsten Tag: Nebel. Der Pfad verschwand darin, und als er wieder auftauchte, waren sie zu weit gegangen – bis Sunset Hill, einer kleinen Siedlung mit Ausgangssperre wegen Goblinangriffen. Helena und Bruce gingen trotzdem hinein. Über dem Haupthaus hing das Wappen der Henkersgilde. Die Wachen zogen sich beim Nähern in den Wald zurück, als wollten sie nicht gesehen werden.


Wölfe, Luxuslager und der Fjord

Niemand rutschte auf dem schmalen Pfad ab – hielt sich aber. Im Wald hatten Wölfe die Gruppe im Visier. Sie wurden getötet. Capri suchte das Nachtlager und fand – auf eine Weise, die niemand erklären konnte – eine Stelle, die sich anfühlte wie ein Luxushotel mitten im Nirgendwo.

Am nächsten Tag: der Fjord. Ruinen am Grund, halb von Schlamm bedeckt. Der Fjord selbst schien tiefer, als er nach den alten Karten sein sollte – als wäre das Tal vor nicht allzu langer Zeit abgesackt. Goblinspuren führten den Pfad entlang. Daneben: andere, viel größere Spuren. Die Gruppe folgte den großen. Sie stießen auf einen Ettin und Begleitung. Kurzes Gespräch – beide Seiten zogen unverrichteter Dinge ab.


SESSION 10 – 24. November 2024

Niemand ist weg

Es gab eine Hängebrücke über den Fjord – das hatte Bruce beim letzten Mal vergessen zu notieren. Halguin erkannte neben dem Ettin jetzt auch einen Troll. Und dann fehlte etwas.

Niemand war verschwunden.

Capri weinte. Nicht laut, nicht theatralisch – einfach still, mit dem Gesicht, das Menschen machen, wenn etwas fehlt, das sie nicht benennen müssen. Die Gruppe kehrte um und suchte. Ein Goblin auf einem Warg ritt heran und fragte sie aus. Die unangenehmen Großen in der Gegend hießen Zukbuk und Grizzl. Der Goblin sagte das, was man in solchen Momenten nicht hören will: „Wenn Niemand da abgestürzt ist, ist er nicht mehr zu retten.“

Capri hörte zu und sagte nichts.


Fallen, Troll und neun Reiter

Die Gruppe ging zurück zum Fallenpfad – die Falle war neu aufgestellt worden. Capri löste sie aus. Der Troll kam. Halguin, als Goblin verkleidet, täuschte ihn. Der Troll zog ab. Der Oger auch.

Dann kamen die Goblin-Warg-Reiter – neun an der Zahl. Alle außer Helena verschwanden im Unterholz. Helena blieb stehen und redete. Die Goblins entpuppten sich als die weniger gefährliche Partei: Sie warnten vor Zukbuk, Grizzl und ihrem Anhang, boten an, die Gruppe rauszubegleiten. Helena nahm das Angebot an.

Die Nacht im Waldlager war ruhig – bis auf Reltis‘ Rucksack, den irgendetwas zerfetzte. Die Brücke am nächsten Morgen: Zwei Goblintrupps brachen auf, mit anderen Farbschemata als die hiesigen – Fremde, mit unbekannten Absichten.


Pilze in der Suppe und das Feuer danach

Erneut zum Fallenpfad. Guelle – unheimliche Dienergestalten – zogen mit einem Wagen voller Opfergaben Richtung Altar. Die Gruppe leerte den Wagen weitgehend, behielt etwas Essen – und Capri schüttete alle Pilze, die sie hatte, in den Suppentopf, den sie als einziges zurückließen.

Ettin, Oger und Troll holten die Suppe. Sie waren nicht erfreut über die Menge. Der Oger ritt weg, redete mit dem Ettin. Halguin schlich sich heran, um zu lauschen – und wurde gesehen.

Was folgte, war kein taktischer Kampf. Es war Chaos, Feuer und Entschlossenheit in gleichen Teilen: Ettins wurden verwirrt, Trolle angezündet, jemand starb und wurde zurückgebracht, Feuerwerk in Richtungen, die niemand geplant hatte. Als es vorbei war, lagen alle drei – Oger, Ettin, Troll – tot auf dem Boden.

Die Gruppe stand, taumelte, atmete.

Niemand fehlte noch immer. Aber der Fjord war etwas ruhiger. Die Fallen lagen ausgelöst im Schlamm. Und irgendwo zwischen verbranntem Fell und dem Geruch von Magie und Rauch hing die Frage in der Luft – was Zukbuk und Grizzl als nächstes schicken würden. Und ob Capri ihren Hund je wiederfinden würde.


Ende von Kapitel VIII – Sessions 8, 9 & 10