Kapitel XVI – Schwarzes Wasser
Suzail hatte sich verändert. Die Militärpräsenz war das Erste, was auffiel – mehr Wachen, mehr Uniformen, mehr von dem gedämpften Lärm, der entsteht, wenn eine Stadt auf etwas wartet. Das Gasthaus bei Selawa war gut, die Zimmer warm, die Betten weich. Die Gruppe ruhte sich aus. Dann gingen sie in die Altstadt.
Einkäufe und erste Gerüchte
Der Markt war gewöhnlich – abgesehen davon, dass Helena ihre Ringe erst nicht los wurde und beim zweiten Versuch Erfolg hatte. Reltis kaufte schwere Stiefel und später beim Bogenmacher einen Bogen, als hätte er beschlossen, dass Pfeile ab jetzt zu seinem Leben gehören. Auf Empfehlung von Finnan fand die Gruppe am Leder- und Stoffstand neben anderem auch eine Bag of Holding – ein Fund, über den niemand unglücklich war.
Darden erzählte ihnen am Rande, was die Stadt beschäftigte: In der Altstadt verschwanden Menschen. Lord Crownsilver suchte Hilfe.
Die Altstadt und Bruces Träume
Die Altstadt empfing sie mit einer Stimmung, die sich nicht erklären ließ. Keine offensichtliche Gefahr, keine Waffe – nur dieses dumpfe Gefühl von Mutlosigkeit, Erschöpfung, Wut, das sich in die Schritte drückte, je tiefer man hineinging. Ein Streit zwischen zwei Männern auf der Straße – aus nichts, über nichts. Die Gruppe aß zu Abend und hörte das Gerücht: Altplatz, Brunnen, Schatten.
Bruce schlief schlecht. In seinen Träumen: eine schwarze Scheibe mit purpurnem Rand, Stimmen, die ihn nach unten zogen. Er wachte auf und sagte wenig.
Shar
Am nächsten Morgen – in der Altstadt: Symbole an den Wänden. Schwarze Scheibe, lila Rand. Das war das Symbol von Shar, der Göttin der Dunkelheit und des Vergessens, und wer die Symbole erkannte, wusste, dass hier nichts zufällig war. Blutspuren, Schattenmagie, und ein lokaler Händler, der ihnen flüsternd erzählte: junge Männer, die verschwinden. Ein Kult, der sich nachts trifft und alte Relikte tauscht.
Am Brunnen auf dem Weg zum Wachposten: das Wasser war schwarz.
Der Mystra-Schrein und Felia
Am Mystra-Schrein lief gerade Gottesdienst. Die Berichte der Gemeinde zeichneten ein Muster: bei den Verschwundenen fanden sich Symbole – ein halbgeschlossenes schwarzes Auge, ein Halbmond, eine purpurne Sichel oder Flamme. Immer Männer. Die Gruppe erhielt einen Namen: Felia – ein Straßenkind, das vielleicht etwas wusste. Der erste Versuch, sie zu finden, scheiterte.
Hauptmann Derrick Weylan half nicht.
Lord Arandthor und die Symbole, die zurückkehren
Das Anwesen der Crownsilvers: Lord Arandthor war krank – und trug das Zeichen. Die Gruppe brachte ihn heimlich zum Selûne-Tempel. Zurück am Anwesen entfernten sie die Symbole sorgfältig. Der Lord hatte Aufzeichnungen hinterlassen: Bindels Mannslokal / Kaufhaus als mögliches Zentrum der Kultaktivitäten.
Nachts legten sie sich auf die Lauer. Nichts. Kein Geräusch, keine Bewegung. Am Morgen waren die Symbole wieder da. Eine alte Bedienstete trug eines auf der Haut. Sie wurde zum Tempel gebracht. Reltis holte Frühstück.
Felia und Bindels
Helena hinterließ Botschaften für das Straßenkind – eine Gürtelschnalle als Erkennungszeichen, darauf: FELIA. Dann ging die Gruppe zu Bindels Kaufhaus. Tür vernagelt. Fenster vernagelt. Der Ort wirkte verlassen.
Felia tauchte auf.
Halguin war inzwischen offiziell in den Rang des Wald- und Wiesendruiden aufgenommen worden – ein stiller Schritt nach vorne, ungeachtet aller Symbole an Wänden und allem schwarzen Wasser in Brunnen.
Shar. Eine Göttin der Dunkelheit, des Verlusts, des bewussten Vergessens. Ihre Kult-Symbole an den Wänden der Altstadt – die gleiche schwarze Scheibe, die Bruce nachts verfolgte. Der Brunnen mit schwarzem Wasser. Die Männer, die verschwanden. Und irgendwo dazwischen: ein Straßenkind namens Felia, das wusste, warum man sie suchte.
Ende von Kapitel XVI – Session 18
