Kapitel XIV – Der Dolch und die Tiefe

Kapitel

Es war kein guter Dolch. Das war offensichtlich. Er lag auf dem Boden im Golemraum, neben einem zerbrochenen Spiegel und einem kaputten Beschwörungskreis, und strahlte eine Aura aus, die jedem vernünftigen Menschen gesagt hätte: Lass das liegen. Reltis hob ihn auf. Und legte ihn nicht mehr weg.


Lolths Gebet und der Fleischgolem

Capri öffnete eine Tür in Malakars Büro – keine Falle, was schon verdächtig war. Das Schlafzimmer dahinter war undicht und uninteressant. Die nächste Tür traf sie wie ein Schlag: nekrotische Energie, und in ihren Gedanken plötzlich die Bilder eines Spinnenmannes und einer Spinnenfraue, klar und ungebeten. Reltis schlug gegen die Tür – ein Kraftfeld flackerte, sein Arm wurde taub. Halguin und Bruce notierten sich Runen, Zeichen für Zeichen. Halguin schoss mit der Armbrust auf die Tür – ein stümperhafter Schuss, aber er vervollständigte die Runen: 20 von 20. Ein Gebet an Lolth. Die Spinnengöttin war überall in diesem Haus.

Die Eisentür darunter fauchte und grollte von innen. Halguin deaktivierte die Elektrofalle. Reltis riss die Tür auf – und stand vor einem Fleischgolem. Niemand trat einen Schritt zurück, was selten vorkam. Reltis bekam aufs Maul. Jemand rettete den Tag. Der Golem war tot.


Der Dolch, der verändert

Im Golemraum: ein Sockel mit unbekannter Rune, ein zerbrochener Beschwörungskreis, Scherben eines magischen Spiegels – und ein Dolch, der Reltis ansah und darauf wartete, genommen zu werden. Es gab einen Kampf darum. Reltis gewann. Er legte ihn nicht mehr weg.

Halguin wollte die Geheimtür öffnen – und löste eine Falle aus. Schwarzfäule kroch von seiner Hand aufwärts. Reltis fand das lustig. Seitdem er den Dolch hielt, fand Reltis vieles lustig, was er vorher nicht lustig gefunden hätte. Helena hielt die Fäule auf und heilte Halguin so weit, dass nur noch ein Finger verfault blieb. Gerald – der Speer – maulte sie dabei an. Der Speer wurde zunehmend unausstehlich.

Während seiner Wache stahl Reltis sich in den Spinnenrunenraum und nahm sich einen Umhang, eine Handarmbrust und einen Netzwerfer. Niemand bemerkte es. Oder niemand sagte etwas.


Das Drow-Arsenal und das Tiefenloch

Der Geheimraum hatte eine Illusionsmauer – dahinter eine Holztür – dahinter Dunkelheit – dahinter ein Tiefenloch, das nach unten in nichts führte. Halguin identifizierte die gefundenen Gegenstände: die zwei Blutdolche waren verpestet, Reltis‘ Dolch war… etwas, wofür Halguin keine gute Beschreibung fand, und die Spiegelscherben hatten noch Magie in sich.

Den Raum, den nur Reltis öffnen konnte, nannte die Gruppe das Drow-Arsenal. Halguin wickelte Dolche mit dunkler Aura sorgfältig in Tuch. Bruce nahm ein Sternfragment mit Lolth-Symbol, eingewickelt, verstaut, unauffällig – und versteckte seine Drow-Sachen danach nochmal separat, unbemerkt. Phiolen wurden eingepackt, Handfesseln verteilt, eine Kiste versteckt.


Spinnennetze und Schatten

Der Gang unter der Scheune führte spiralförmig nach unten. Reltis trieb Schabernack. Der Fallenraum war voll toter Goblins – und voll Fallen. Helena trat in eine und wurde von Metallhakennetzen eingesponnen. Bruce versuchte sie zu befreien und wurde ebenfalls eingesponnen. Bruce wurde gerettet, war aber katastrophal zerschossen. Helena wurde danach auch gerettet.

Drei Türen. Eine öffnete sich. Zwei hatten Fallen. Eine Obsidiantür weiter unten zerstörte Reltis mit dem Dolch – der Dolch schien das zu genießen.


Der Spiegelsaal und der Altar

Ein Raum voller schwarzer Spiegel, eine Wendeltreppe in der Mitte. Reltis wusste – woher auch immer – dass man die Augen zuhalten musste. Die anderen hielten die Augen zu. Sie gingen weiter.

Unten: ein runder Raum. Ein Obsidianaltar. Acht Skelette auf Knien, in ewigem Gebet erstarrt. Reltis trat ein. Die Schatten – vier an der Zahl – kamen auf ihn zu, und die anderen konnten nicht helfen, weil der Raum das nicht zuließ. Reltis kämpfte alleine. Er gewann. Er fühlte sich danach so an, als hätte jemand etwas aus ihm herausgezogen – sehr schwach, tief in den Knochen.

Hinter dem Altar tauchte eine Energiebarriere auf. Dahinter: ein weiterer Raum, noch nicht betreten.

Der Dolch hatte Reltis verändert. Nicht viel – noch nicht. Aber die Art, wie er lachte, wenn Halguin sich die Schwarzfäule einfing. Die Art, wie er nachts alleine in fremde Räume ging. Die Schatten hatten ihm etwas genommen. Und der Dolch gab ihm etwas zurück. Die Frage war, ob das eine gute Tauschbörse war.


Ende von Kapitel XIV – Session 16